Sonntag, 6. Mai 2012

Weniger ist mehr, oder wie ich auf "raw food" aufmerksam wurde

Seit ich mich für vegane Ernährung interessiere, bin ich unweigerlich auch über Rohkost gestolpert. Anfangs war ich nicht begeistert, Rohkost klang für mich immer sehr langweilig. Außer Salat oder dem gelegentlichen Obstsnack wollte ich nichts damit zu tun haben.

In der letzten Woche habe ich aber so viel Interessantes über Rohkost gehört, dass ich mein Essverhalten genau beobachtet und mir bewusst gemerkt habe, wie ich mich nach bestimmten Mahlzeiten fühle.

Hier also ein persönliches Fallbeispiel: Ich war in einem sehr guten Restaurant und habe ein ebenfalls sehr gutes Ratatouille mit Kartoffelstampf gegessen. Das Essen war vegan und auch sehr lecker, keine Spur von müde machendem Fleisch. Und doch habe ich mich nach dem Essen unangenehm vollgestopft und träge gefühlt. Der Verzicht auf Fleisch machte für mich keinen Unterschied.

Die Frage ist nun, wie das um Himmels willen sein kann. Gemüse ist doch gesund und stopft nicht annähernd so schlimm wie Fleisch, oder?

Doch, tut es, wenn es zu Tode gekocht wurde, wenn man Experten auf dem Gebiet glauben kann. Beim Kochen gehen anscheinend nahezu alle Enzyme verloren, die ein Lebensmittel besitzt, was unsere Verdauung verlangsamt und erschwert. Zudem bekommt man offenbar nicht annähernd die Menge an Nährstoffen, die man braucht, weshalb viele Menschen oft noch Nachtisch essen wollen oder sehr bald wieder Hunger verspüren. Der Körper reagiert einfach auf den Mangel, so dass ein Heißhunger entsteht. Ich hatte nur drei Stunden später nach diesem leckeren Ratatouille wieder nagenden Hunger, obwohl die Portion groß war. Für mich persönlich hat sich diese Aussage eindeutig bestätigt. Wem geht es noch so? Das würde mich sehr interessieren.

Und jetzt das gegenteilige Fallbeispiel: Heute habe ich mit halbroher Kost experimentiert, sprich, eine Currysoße aus Kokosmilch und Gewürzen angesetzt und das Gemüse darin nur angewärmt (ca. 48°C gelten als maximale Obergrenze). Zusammen mit einem winzigen Schüsselchen Quinoa als Reisersatz hat dieses Curry mich so fürchterlich satt gemacht, dass ich nicht einmal aufessen konnte. Aber ich fühle mich nicht vollgestopft, sondern einfach nur ... zufrieden. Anscheinend reicht halbgares Gemüse meinem Magen aus, um mich den ganzen Nachmittag lang optimal zu versorgen.



Allerdings gebe ich gerne zu, dass vegane Rohkost eine echte Herausforderung ist, an die ich mich ganz langsam herantasten werde. Ich persönlich gehöre zu den Leuten, die mit einer empfindlichen Verdauung "gesegnet" sind, eine Umstellung über Nacht ist für mich daher gar nicht machbar. Glücklicherweise müssen einige Lebensmittel in jedem Fall gekocht werden, damit sie überhaupt genießbar sind, zB Kartoffeln, Bohnen und eben Reis/Quinoa/Hirse usw. Ich denke, wenn man mit halbroher Kost anfängt, hat man sehr viel Spielraum für leckere Rezepte und Langeweile sollte auch nicht allzubald aufkommen :-) 


Kommentare:

  1. Hallo Romana,

    ich möchte an dieser Stelle mal Deinen Blog loben! Auch wenn ich selbst meine Ernährungsumstellung nicht so drastisch hinkriege, wie Du das durchziehst, bin ich beeindruckt und dankbar für einige Deiner Tipps bzw. Erfahrungen, die sich z. T. mit meinen eigenen decken.

    Du hast mal irgendwann geschrieben, dass der Fleischgenuss in Maßen und mit dem Bewusstsein, was man da ist, nichts schlimmes ist. Das ist genau meine Meinung. Allerdings lebe ich in einem Land, wo ich Biofleisch so gut wie nicht bekomme, also habe ich mich vorerst auf rein vegetarische Ernährung eingelassen. Manchmal lässt sich hier Fleisch einfach nicht umgehen, aber selbst zubereiten tu ich es schon länger nicht mehr.

    Ich habe auch die gleiche Erfahrung gemacht wie Du, nämlich die, dass man erfindungsreicher wird in der Küche und andere dinge ausprobiert, die man früher nicht probiert hätte.

    Rohkost ist eigentlich ganz und gar mein Ding. Ich liebe Salate in allen Varianten, tatsächlich ernähre ich mich momentan glaube ich an fünf von sieben Tagen von Salaten, die jeden Tag anders sind. Ich probiere verschiedene Essig- und Ölsorten aus und die Gemüsezutaten hängen davon ab, was im Supermarkt grad lecker aussah.

    Außerdem habe ich entdeckt, dass gedämpftes Gemüse mir sehr gut schneckt. Es hat noch Biss und fühlt sich nicht weichgekocht wie Babybrei an. Heute z. B. gab es gedämpften Broccoli mit Parmesan bestreut. Dazu gebratener Fisch (auf den verzichte ich nicht, nur auf Fleisch).

    Vegane Ernährung werde ich allerdings nie hin, ohne Milchprodukte würde schon mein Kaffee ungenießbar sein und ich hätte ganz bald das Gefühl, endlich einen Yoghurt oder Quark zu brauchen. Das kann auch Obst nicht ersetzen.

    Trotzdem unsere Ernährung ein bisschen unterschiedlich ist, habe ich einige Parallelen zwischen Deinen und meinen Erfahrungen entdeckt.

    Leider dauert bei mir der Abnehmerfolg ganz schön lange auf diese Art und Weise. Immerhin bin ich jetzt schon seit 3 Monaten dabei und habe grade mal 4,5 kg abgehommen. Aber erstens habe ich schon immer sehr langsam abgenommen (und man wird ja nicht jünger...) und zweitens heißt es ja, es ist eh gesünder, die Pfunde langsam zu verlieren. Also bleib ich weiter dran!

    LG
    Monika

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  2. Hallo Monika,

    toll, wieder von dir zu hören!

    Auf jeden Fall ist langsam abnehmen gesünder, als alles bei einer Crash-Diät loszuwerden. Wobei man bei Rohkost und dem Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte und vor allem Zucker davon ausgehen kann, dass man zuerst Wasser verliert (durch weniger Salz) und dann den Schleim, der sich beim Genuss von Milchprodukten bildet. Falls du wissen möchtest, was Milch in deinem Körper anrichtet, guckst du am Besten mal hier:

    http://www.zentrum-der-gesundheit.de/milch.html

    Eine schöne Alternative zu Kuhmilch ist zB Mandelmilch (habe ich mir gestern erst selbst hergestellt) oder jede andere pflanzliche Milch wie Soja, Hafer, Reis, Dinkel ... wenn du kannst, probier doch einfach mal der Reihe nach durch, was deinem Geschmack nach der Kuhmilch am nächsten kommt und nimm das für deinen Kaffee und was du sonst noch so damit herstellst (Pfannkuchen oder so). :-)

    Ich bin ehrlich gesagt auch erstaunt, dass du mein Vorgehen als "drastisch" bezeichnest ... aber ich vermute, das ist es wohl. o_O Ich denke da ehrlich gesagt überhaupt nicht drüber nach, sondern mache einfach das, was sich gut anfühlt. No-Muh hat sich für mich absolut bewährt, obwohl ich meinen Latte Macchiato liebe, das kannst du mir glauben. Aber für mich selbst schadet Kuhmilch mehr, als dass sie mir nützt, und deshalb lasse ich sie eben weg. Ich glaube, zu Milch sollte ich noch mal einen eigenen Artikel schreiben ... unglaublich, was da mit einem vorgeht! Wusstest du zB, dass in Milch ein Stoff vorkommt, der Opium ähnlich ist? Deshalb lieben Menschen Käse, obwohl er uns in großen Mengen nicht gut tut.

    Wow, und dass du so viel Salat und Obst isst, finde ich unglaublich! Ich bin eher ein Saft-Typ und trinke gesund, anstatt ständig zu kauen. Für kleine Portionen brauche ich länger, als manche Leute für eine große :( Essen ist bei mir definitiv ein Zeitfaktor, denn ich hasse es, gehetzt zu werden. Aber ich habe mir jetzt einen Entsafter gekauft und kann demnächst auch grüne Säfte selbst herstellen. Yay!

    LG,
    Romana

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  3. Hallo Romana,

    also ich werf mal ganz zaghaft ein: Ich wohne in Minsk, hier bin ich froh, Milch zu bekommen, von den von Dir genannten Varianten brauche ich hier ehrlich gesagt nicht mal zu träumen. Es mag durchaus sein, dass Milch irgendwas mit mir anstellt, aber ehrlich gesagt, will ich es gar nicht wissen. Es fällt mir schon schwer genug, auf Süßigkeiten zu verzichten, mich hauptsächlich auf Gemüse zu konzentrieren und soviel Sport zu treiben (viel ist hier relativ, für mich viel, für andere ein Tropfen auf dem heißen Stein). Noch mehr weglassen/umstellen und ich werde ernsthaft übel gelaunt und bockig... ;)

    Und ich gehöre zu den Opium-Käse-Abhängigen. Wenn Du mir auch noch den weg nimmst vom Speiseplan, dann empfinde ich bald gar keine Lust mehr am essen. DAS meinte ich mit "drastisch". ;) Und ich stelle nicht nur Dinge her mit Milch, sondern esse halt gerne Yoghurt, Hüttenkäse, Quark, Frischkäse, Käse und ja, ich trinke auch einfach so Milch.

    Ich glaube, dass der Körper einem sagt, was er will und wenn ich Heißhunger auf Milch habe, denke ich, dass mein Körper nach dem schreit, was er in der Milch findet.

    Ich bin in den USA durch Zufall mal in einem veganen Hotel gelandet und ich muss sagen, dass mir einige Sachen schon geschmeckt haben. Aber manche waren auch, naja... sehr alternativ. So könnte ich nicht dauernd leben. Jeder muss für sich doch etwas finden, womit er auch dauerhaft leben kann, sonst ist jede Umstellung schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

    Für mich spielt es auch eine große Rolle, dass ich keine 3 Stunden in der Küche verbringen will, wenn ich dann anschließend 10 Minuten lang etwas essen will. Es muss schnell gehen und praktisch sein. Wenn es dann auch noch halbwegs gesund ist, ist alles gut.

    Säfte sind für mich so gar kein Ersatz. Das würde sich für mich wie "verschwendete Kalorien" anfühlen. ;) Ich brauche was Handfestes zum Kauen. Nur trinken macht mich kirre. Es ist schon schwierig genug, das normale Trinken nicht zu vergessen, was mir häufig passiert, vor allem, wenn ich sehr beschäftigt bin. Bin immer sehr stolz auf mich, wenn ich meine zwei Kannen Tee am Tag geschafft hab.

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  4. *lach* Ich nehme dir gar nichts weg, keine Angst. Du musst das machen, was sich für dich richtig anfühlt. Alles, worum ich (und zahllose andere raw foodisten) dich bitten würde wäre, es einfach mal eine Woche lang oder so zu versuchen. Sucht ist eine böse Sache und ich bin froh, dass ich von einem schlimmen Entzug verschont geblieben bin.

    Ich habe übrigens zuallererst mit dem Zucker angefangen. Kein Zucker im Kaffee, keine Schokolade, kein Kuchen. Gut, ein Stück hatte ich noch, aber das ist vollkommen okay. Ich bin ganz sicherlich nicht päpstlicher als der Papst! Und wenn ich mit meinen Mädels einen Kaffee trinken gehe, werde ich den nicht aufgeben. Es geht um die Balance und womit man sich gut fühlt, ganz einfach. :-)

    Oh, trinken kann ich! Ich trinke alles, wenn es zur Verfügung steht, außer Alkohol ;-) Ich glaube, ich komme locker auf 3 Liter, für mich wäre so eine Flüssigdiät auf jeden Fall was. Saftfasten sollte mir nicht allzu schwer fallen *g*

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