Dienstag, 24. April 2012

Fleischeslust

Mein basisches Ernährungsexperiment sieht neben mehr Gemüse und Obst auch eine Einschränkung meines Fleisch- und Wurstkonsums vor.

Das ist ganz schön hart, denken sicherlich einige von euch. Die meisten Menschen in Deutschland essen ständig Fleisch: zum Frühstück, zum Mittagessen und natürlich auch abends. Wir treffen uns zu Grillparties, gehen in gute Restaurants oder holen uns öfter mal eine Wurst, wenn wir unterwegs sind. Es ist normal geworden, ohne Fleisch geht es oft gar nicht mehr, weil es dann nicht richtig schmeckt.

Also ja, es ist nicht ganz einfach, plötzlich weniger davon zu essen. Mir persönlich schmeckt Fleisch und ich mag auch Salami und Schinken auf meinem Brot ... Wenn man allerdings bedenkt, wie viel Salz und Fett in so einer Salami drin ist, ganz zu schweigen von den Sachen, über die man lieber nicht nachdenkt, wie widernatürliche, oftmals qualvolle Massentierhaltung und Tiertransporte, Tiermedikation und Schadstoffe, die aus belastetem Futter (gedüngte und gesprühte oder sogar gentechnisch behandelte Pflanzen sowie Tiermehl, das Kühe und Hühner in freier Wildbahn niemals fressen würden) in das Fleisch übergehen, dann fällt es einem plötzlich nicht mehr ganz so schwer, ab und zu der Fleischeslust zu entsagen.

Einen sehr interessanten, wenn auch alarmierenden Aufsatz zum Thema Milch (und naturgemäß auch zum Rindfleisch) findet ihr HIER (englisch).

BIO-Fleisch und Wurst ist in meinen Augen ein akzeptabler Kompromiss, wenn man trotz allen Verständnisses für die Bedürfnisse der Tiere Fleisch essen möchte. Die höheren Preise sorgen schon von ganz allein dafür, dass man sich genau überlegt, was in den Einkaufswagen wandert. So sollte es auch sein, sowohl den Tieren als auch den Menschen zuliebe. Der Mensch braucht gar nicht so viel tierisches Eiweiß, wie einem immer vorgegaukelt wird; viele besser verträgliche Eiweiße und Mineralien können wir auch pflanzlich zu uns nehmen.

Seit gut anderthalb Wochen habe ich aus diesem Grund überhaupt keine Wurst mehr gegessen, und auch keinen Schnittkäse. Am Wochenende gönne ich mir allerdings ohne schlechtes Gewissen eine Fleischmahlzeit (einmal war es ein köstliches Lammrückensteak, das andere Mal das Hühnchen in meiner Süßkartoffelsuppe) und genieße es richtig, sie zuzubereiten. Die Sinne nehmen das ganz anders wahr und man hat ein bisschen das Gefühl, wieder in den 50ern gelandet zu sein, wo der Sonntagsbraten das Highlight der Woche war :-)  Und sicherlich werde ich auch öfter mal an der Feinkosttheke schwach und leiste mir eine Schafkäsecreme mit irgendwas drin.

In einem älteren Post habe ich erwähnt, dass Fleisch und Milchprodukte sauer verstoffwechselt werden, also mit mehr basischen Lebensmitteln ausgeglichen werden müssen, damit es der Körper bei der Verdauung leichter hat, und bisher bestätigt meine Erfahrung diese Aussage. Ich fühle mich wesentlich "leichter" und nicht so träge nach dem Essen. Ich habe eher wieder Appetit und rieche und schmecke interessanterweise das Fleisch jetzt intensiver als vorher. Vielleicht liegt es daran, dass der Körper es wieder als etwas "Besonderes" wahrnimmt und nicht als tägliche Gegebenheit.

Mit dem Fleisch ein bisschen sparsamer umzugehen hat aber noch einen weiteren Vorteil! Man wird plötzlich entdeckungsfreudiger, was sein Essen angeht. Man verlässt sich nicht mehr drauf, dass der Hähnchenschlegel ausreicht, um satt zu machen. Plötzlich will man verschiedene Gemüsesorten ausprobieren, wechselt von Salat zu Suppe zu Auflauf. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich abwechslungsreich zu ernähren, und sie erschließen sich mir erst jetzt. Eigentlich traurig, oder? Dabei kann man mit ein bisschen Geduld und Übung wirklich sehr leckere Gerichte zaubern, bei denen von frisch und kühl bis heiß und deftig wirklich alles dabei ist.

Wer Lust hat, sollte dieses kleine Experiment einmal wagen. Zwei Wochen würden schon ausreichen, hat es bei mir ja auch. Ich bin gespannt, was eure Meinungen dazu sind!

Kommentare:

  1. Hallo Romana,

    kann Dir in allem nur zustimmen! Ich selbst esse seit Anfang Februar jetzt schon so gut wie kein Fleisch mehr. Immer klappt es nicht, denn hier wo ich lebe, ist es schwierig, in Restaurants etwas Vegetarisches zu finden. Aber so oft geht man ja nicht essen und in der eigenen Küche kann ich selbst bestimmen.

    Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht wie Du: Man wird erfinderischer und abenteuerlustiger, was das Essen angeht. Die Gemüseabteilung ist auf einmal richtig spannend! ;)

    Auch ich bin der Meinung, dass ein gutes Stück Fleisch in Maßen und aus Bio-Haltung absolut in Ordnung ist. Der Mensch ist von Natur aus dafür vorgesehen, aber was die Natur nicht vorgesehen hat, ist der tägliche Fleischverzehr zu nahezu jeder Mahlzeit! Das allein hat dazu geführt, dass Tiere unseretwegen gequält werden und leiden.

    Es wäre schön, wenn die Menschen wieder wie früher leben würden und Fleisch als etwas besonderes ansähen. Wir müssen ja nicht gleich wie die alten Indianer dem Geist der Tiere, die ihr Leben lassen für uns, persönlich danken, aber es reicht doch schon, wenn niemand vergisst, dass Tiere Lebewesen sind!

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  2. Liebe Moziny,

    das kann ich so voll und ganz unterschreiben. Obwohl es sicher nicht schadet, ab und zu mal "Danke" zu sagen ;)

    Viele Grüße!

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